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Was vor 50 Jahren als Experiment begann, ist heute ein fester Bestandteil im Ortsteil von Köln-Holweide geworden.

Wir meinen die Swinging Fanfar`s Blau-Weiß 1965 e.V. Köln. Woche für Woche sind die Blau-Weißen unterwegs, um mit Musik die Menschen in der ganzen Welt zu erfreuen. Aus der grauen Maus des Jahres 1965 hat sich eine Gruppe entwickelt, die mit ihren adretten Uniformen, einen musikalischen Stil verbreitet, der für Fanfarenmusik wohl einmalig ist.

Wer hätte 1965 daran gedacht, dass diese Gruppe 50 Jahre später noch besteht.

Dazwischen liegen Jahre des Aufbaus, der Zweifel um die Erhaltung und große Erfolge.

Was 1965 mit ein paar gebrauchten Instrumente und Proben auf der Merheimer Heide begonnen wurde, ist heute mit modernsten Instrumenten und von der Stadt Köln angemieteten Proberäumen eine Selbstverständlichkeit. Die Phantasieuniformen des Anfangs sind durch das Blau-Weiße Markenzeichen der selbst entworfenen Uniformen abgelöst worden.
Was den Beginn und heutigen Stand angeht, kann man beim Lesen der bisherigen Zeilen allerdings nicht ermessen.

Schon 1967 sah es so aus, als wenn alles wieder vorbei wäre.

Die große Zahl der Kinder und Jugendlichen, der Mangel an Geld für Instrumente und Uniformen und die mangelnde Bereitschaft einiger der damals Verantwortlichen, nicht sich persönlich, sondern die Jugend und das angefangene Werk des Aufbaus in den Mittelpunkt zu stellen, führten zur Spaltung.

Der größere Teil machte jedoch unter dem Namen „Jugend Fanfaren Corps Blau Weiß rrh.“ weiter.

Zum Glück gab es da einen jungen Mann, der die musikalischen Voraussetzungen mitbrachte, um seine jungen Freundinnen und Freunde mit seinem Können zum Mitmachen zu animieren. Er setzte sich gegen die damaligen Zweifler im Vorstand durch und führte die ersten Ventilfanfaren ein. Wir meinen Hans Peter Gurlitt.

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Die ersten Erfolge gab es noch unter Hans Peter Gurlitt. So zum Beispiel 1968 den 1. Platz bei der Landesmeisterschaft.1968 und 1969 jeweils den dritten Platz beim Europapokal in Köln. 1970 den 2. Platz beim Wettstreit in Köln-Vingst. 1971 den 1. Platz beim Wettstreit in Hattingen. Gleichzeitig erhielt der Verein den Ehrenpreis der Stadt Hattingen überreicht, als Gruppe mit dem besten Gesamteindruck. Kurz danach wurde Hans Peter zum Bund verpflichtet und war für uns verloren.

Ab Mitte 1971 übernahm Bernhard Sauer das Amt des 1. musikalischen Leiters. Mit der Grundidee von Hans Peter Gurlitt, nämlich Umrüstung auf Ventilinstrumente, machte er weiter und führte die Gruppe von Erfolg zu Erfolg. Über zwei 4. Plätze führte er die Gruppe 1977 zum Sieg im Europapokalwettstreit in Kamen. Es nahmen hier immerhin 53 Vereine teil.

Es folgten 1. und 2. Plätze in Serie bei Teilnahmen im In- und Ausland. Beim Wettstreit in Speckholzerheide NL erhielt Bernd Sauer den Ehrenpreis für den besten musikalischen Leiter.

Beim Wettstreit in Hoensbroeck NL wurden wir mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Langsam wurde man außerhalb Köln auf den Verein aufmerksam. Die großen Reisen kamen ins Programm. Im Jahre 1976 flogen wir mit der Kajuja Köln auf die Balearen Insel Mallorca. Hier fand eine Karnevalsveranstaltung für Langzeiturlauber statt. Das Ganze war für Steubenparade nach New York.

Das Jahr 1979 brachte noch eine bedeutsame Änderung in unserem Vereinsleben.

Der 1. Vorsitzende Johann Sauer und der musikalische Leiter Bernd Sauer nahmen Kontakt mit dem großen Freizeitpark in Brühl auf.

Nach Vorspielen im Park, das unter anderem von Jochen Pützenbacher ( Radio Luxemburg ) begutachtet wurde, wurden wir uns mit den Herren Schmidt und Löffelhardt schnell einig.

Da unsere Namensangleichung an den Musikstil sowieso geplant war, wurde in einer Jahreshauptversammlung bei nur zwei Gegenstimmen folgende Namensgebung beschlossen – ab sofort nannten wir uns

Swinging Fanfar`s Blau-Weiß 1965 e.V. Phantasialand

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Die Seiten sind aber nicht unerschöpflich. So können wir nur sagen, die Höhepunkte ließen nicht nach. Im Jahre 1984 wurden wir eingeladen zur Karnevalswoche nach Lyon/Frankreich, einer Stadt, die besonders viel zu leiden hatte unter den NS-Verfolgungen. Aber mit keinem Wort und mit keiner Geste hat man dies unseren Jugendlichen gegenüber gezeigt. Genauso war es 1986 in Moy bei Paris zur 700-Jahrfeier. Hier waren sogar alle Musiker und Begleiter privat untergebracht.

Teilgenommen haben wir 1987 am Programm beim Eifelrennen auf dem Nürburgring. Im Jahr 1989 waren wir auf der Internationalen Festwoche in Den Haag/ Holland. Hier trafen wir eine Abordnung von deutschen Polizeibeamten. Diese waren ausgerechnet aus unserem Heimatort Köln-Holweide. Dazwischen waren wir 1984/1986 und 1988 in Font de Sacala/Mallorca mit Teilnahmen an den Abend-Shows.

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Am 19. und 20. Mai 1990 feierten wir mit einem Rheinischen Abend und einem Musikfest unser 25 jähriges – beide Tage wurden zu einem tollen Erfolg.

Es folgte eine große Pfingstfahrt nach Neuenhagen/Ost-Berlin, mit Auftritten im Kulturzentrum in Neuenhagen und vor der Tribüne der bekannten Rennbahn Hoppegarten.
Wir waren die erste Musikgruppe, die nicht mit staatlicher oder politischer Vermittlung eingeladen wurde.

Am 15. Juni 1990 fuhr dann die ganze Musik mit Kind und Kegel nach Santa Susanna an die Costa Brava.

1992 folgten wir wieder einer Einladung nach Mallorca in den Club von Font de Sacala mit Teilnahme an den Abend-Shows.

Das Jahr 1993 wurde zum Jahr der Ernüchterung für den gesamten Verein. Am 22.06.1993 verstarb unser
1. Vorsitzender Johann Sauer Träger des Bundes Verdienstkreuz, nach kurzer schwerer Krankheit.

Dem Verein wurde von heut auf morgen das Vereinsherz entrissen, einen Menschen der sein Leben
den Swinging Fanfar´s geopfert hatte. Alles was wir bisher erleben durften und von ihm noch geplant
und vorbereitet wurde haben wir unserem Papa Sauer zu verdanken.

So auch die von ihm geplante USA-Reise im September 1993, sowie die Anmietung der Probestätte in
Köln-Höhenhaus auch als Johann Sauer Halle bekannt, die uns heute noch zu Verfügung steht.

Es blieb nicht viel Zeit zur Trauer, denn wie vorher beschrieben sollte im September 1993 die USA-Reise durchgeführt werden. Ein neuer Vorstand musste gewählt und beim Amtsgericht eingetragen werden. Als 1. Vorsitzender wurde der bisherige 2. Vorsitzende Georg Haas, Peter Sauer als 2. Vorsitzender und Bernhard Sauer zu seinem Amt als musikalischer Leiter als Geschäftsführer gewählt. Es lag jetzt in deren Händen die Geschicke des Vereins zu lenken.

Nach kurzer aber anstrengender Vorarbeit, gelang das Unternehmen Steubenparade New York, sowie weitere Auftritte und Besichtigungen mit Bravour. Nicht zuletzt war dies der Disziplin und dem Zusammenhalt der gesamten Gruppe zu verdanken.

Das machte Mut für die weitere Zukunft. Es ging von Auftritt zu Auftritt, die Swinging Fanfar`s waren sehr gefragt. Unter anderem für mehrere Fernsehauftritte mit Aufzeichnungen.

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Bis wir wieder einen Grund zum Feiern hatten. Am 20.05.1995 wurde im Annosaal in Köln-Holweide unser 30 jähriges bestehen mit einem Superfest mit über 300 Freunden der Swinging Fanfar`s gefeiert.

Es wurde mal wieder Zeit für eine kurze Verschnaufpause, grade erst die Session 1996 beendet ging es nach Fintel ins Norddeutsche zum durchatmen mit der gesamten Gruppe.

Die Erholung hielt nicht lange an, unser Gönner und Sponsor der Freizeitpark Phantasialand, kündigte uns den Werbevertrag von 1979 am 22.04.1996. Mit der Begründung von Kostenreduzierung, wir mussten die Entscheidung mit bedauern hinnehmen weil dies aus nur wirtschaftlichen Gründen des Parks geschah. Wir waren und sind heute noch stolz, dass wir 17 Jahre den Namen Phantasialand auf der ganzen Welt vertreten durften. So kam es zur Namensnennung Swinging Fanfar`s Blau-Weiß 1965 e.V. Köln.

Es dauerte einige Zeit bis der Name bei den Veranstaltern ein Begriff war.

Da unsere Musiker lieber die Sonne lieben als den kalten Norden, führte es uns 1998 wieder nach Mallorca zu dem Club von Cala Mesquida mit Teilnahme an den Abend-Shows.

Im Jahre 2000 zog es uns mal wieder zur Costa Brava nach Santa Susanna hin, es musste für diese Reise extra ein größerer Bus angemietet werden. Am 29.09.2000 fuhr dann die ganze Musik mit Kind und Kegel nach Santa Susanna wir hatten dort eine schöne Zeit und viel Erfolg.

Nach der Session 2001 kam es zu einem erneuten Rückschlag in der Vereinsgeschichte der Swinging Fanfar`s, unser langjähriger musikalischer Leiter und Geschäftsführer Bernhard Sauer gab nach 34 Jahren Vereinszugehörigkeit und 30 Jahre musikalischer Leiter seinen Abschied bekannt. Dies war für uns eine Situation des Hoffens und Bangens. Was geschieht mit den Swinging Fanfar`s Köln und wie geht es weiter. Denn es folgten ihm noch weitere Musiker in den Ruhestand.

Aber wir ließen uns nicht unterkriegen, wir starteten Zeitungsanzeigen und sprachen ehemalige Musiker an, unser Aufruf hatte Erfolg und nach kurzer Zeit ging es im Juni 2001 schon wieder mit den Auftritten los. Es leben die Swinging Fanfar`s Köln, von dem sich auch unsere zahlreichen Vertragspartner überzeugten, mit der Feststellung dass die Musik nicht an Qualität gelitten hat.

Im Dezember 2001 ging es ab, zur Weihnachtsfahrt ins Waldhotel am Bruchersee, wo wir drei wunderschöne Tage verbringen durften. Die Fahrt war uns sehr wichtig, so hatte jeder die Möglichkeit den ein oder anderen Musiker besser kennen zu lernen.

Das kam uns in den folgenden Sessionen 2002 und 2003 nur zu gute. Wir hatten eine super Zeit miteinander, obwohl es im Karneval nie ohne Terminstress abläuft.

Die Erfahrung der letzten beiden Jahre brachte uns auf die Idee, nochmals einige Tage mit der Gruppe außerhalb von Köln gemeinschaftlich zu verbringen. Die Fahrt führte nach Leiwen/ Mosel, hier konnten wir acht Tage lang in den Osterferien mit der Gruppe einige Ideen durch gehen, über neue Musikstücke sprechen und die Kameradschaft prüfen. Auch diese Fahrt war für uns eine Bereicherung des Vereinslebens.

Nun haben wir bereits die Session 2013 hinter uns gelassen, und hoffen, dass wir wieder mit unserer Musik überzeugen konnten, so dass der Name Swinging Fanfar`s Blau-Weiß 1965 e.V. Köln auch weiterhin für Qualität bürgt.

Angst sowie Stolz“ füllte und prägte die Vereinsgeschichte.

Angst“ weil viele gute Musiker nach und nach den Verein aus Persönlichen Gründe verlassen haben.
Und somit musste die Tretmühle aktiviert werden um gleichwertige Hobby –  Musiker für den Verein zugewinnen.
Ausreichende Werbung für Nachwuchs und gute Spieler war des öffteren die Tagesordnung.

Aber auch

Stolz“  konnte sich der Verein die ganzen Jahre auf die Fahne schreiben.
Viele Musiker die den Verein verlassen haben, waren nicht untätig.
Sie haben ihr gelerntes aus dem Verein für Ihre Zukunft weiter ausgebaut.
Viele Ehemalige aktiven Musiker sind Heute mit ihren können im Kölner Karneval sowie Bundesweit
aktiv und erfreuen uns mit Stolz durch Ihre Leistungen.

z.B.:
1. Micky Brühl ehm. Schlagzeuger mit jungen Jahren im Verein, danach drei Jahrzehnte Frontsänger der Paveier, heute Chef der Micky Brühl Band ( MBB ).
2. Manuel Sauer, ehm. Fanfarenspieler, Schlagzeuger und Gitarist , heute Gitarist, Sänger sowie Komponist in der Micky Brühl Band.
3. Daniel Sauer, Gitarist bei den Swinging Fanfar’s, heute als Daniel Beck im Deutsch Schlager Pop erfolgreich. Seine Lieder schreibt , komponiert und produziert er alle selber.
4. Iris Sauer, Schlagzeugerin und Gitarist , heute als Kölsch Löckchen unterwegs sowie Song Schreiberin für andere Künstler. Somit auch der Song  „ ich bin ein Dönner“
5. Sascha Kilgenstein, als  Schlagzeuger , Gitarist , Bass Gitarist und Trompeter, heute als Singender  Partykönig Kai Kaiser und 2. Vorsitzender der Swinging Fanfar’s Blau – Weiss – Köln 1965 e.V. aktiv.
6. Rafael Sauer ehm. Fanfarenspieler, heute Frontsänger der Gruppe Papallapap.
7. Udo Jatzwauck ehm. Schlagzeuger, heute Schlagzeuger und Sänger der Gruppe Fillue.
8. Thomas Mosbach ehm. Keyboarder im Verein, heute Keyboarder und Sänger bei der Gruppe Krageknöpp.
9. Dieter Adam ehm. Gitarist im Verein, heute Sänger und Gitarist bei der Gruppe Krageknöpp.
10. Andreas Litterscheid ehm. Fanfaren Spieler, heute erfolgreicher Produzent im Pop Bereich „CJ Stone“.
11. Bernd Sauer , ehm. Fanfarenspieler, drei Jahrzehnte Kommandant, mehrere Jahre Geschäftsführer, heute mit ehm. Spielern z.B. mit Ehefrau Manuela sowie Beate, Ulla, Claudia, Hennes, Roland usw. Beckround Trompeter bei “De Boore”

Wie bereits erwähnt , all diese Künstler haben Ihre erste musikalischen Schritte bei den Swinging Fanfar’s Blau – Weiss Köln 1965 e.V.  erlernt.
Man könnte den Verein Swinging Fanfar’s Blau – Weiss  Köln auch als Talent Schmiede bezeichnen.

Wir möchten uns noch bei allen Musiker und Mitgliedern, die uns in den 50 Jahren begleiteten, bedanken, ganz besonders bei Bernhard Sauer, Georg Haas und Peter Sauer, denn ohne ihren Idealismus und Einsatz gäbe es die Swinging Fanfar’s Köln nicht mehr wie in gewohnter Form.

Mit der diesmal nicht so statistisch abgehandelten Erzählung unserer Vereinsgeschichte und Erlebnisse wollen wir einmal zeigen, was Jugend erleben kann, wenn Sie Freizeitangebote erhalten. Alle Eltern, die diese Zeilen gelesen haben, sollten mit ihren Kindern, die nicht unbedingt Fußball oder Tennis spielen wollen, einmal unverbindlich unsere Probe besuchen. Angebracht wäre ein Mindestalter von 10 bis 12 Jahren.

eure Swinging Fanfar’s Blau – Weiss Köln 1965 e.V.